Ort: Samaria-Schlucht, Nationalpark Lefka Ori, Kreta
Länge: ca. 16 Kilometer
Startpunkt: Omalos-Plateau
Ziel: Agia Roumeli (am Libyschen Meer)
Reisezeit: Oktober
Dauer: ca. 3,5 Stunden (geführte Tour mit Gruppe, offiziell 5 Stunden eingeplant)
Besonderheit: abwechslungsreiche Landschaft, beeindruckende Felsen, glasklares Wasser

Es war ein warmer Oktobermorgen, als unser Bus sich durch die Serpentinen des Omalos- Plateaus schlängelte. Schon die Fahrt war ein Erlebnis – schroffe Felsen, wilde Ziegen, tief unten das Tal, das uns erwartete. Wir waren aufgeregt: meine zwei Töchter und ich, bereit für eines der größten Naturabenteuer Kretas.

Unsere Reiseleiterinnen begrüßten uns bereits im Bus, erklärten den Ablauf und gaben uns wichtige Hinweise zur Strecke. Als wir schließlich am Eingang der Schlucht ankamen, war die Sonne schon über den Bergen aufgegangen. Der Weg hinab begann steil und steinig – die ersten vier bis fünf Kilometer waren die schwierigsten. Der Boden war uneben, voller loser
Steine, und wir mussten gut auf jeden Schritt achten. Doch die frische Luft, das Rauschen des Wassers und die Vorfreude auf das, was noch vor uns lag, gaben uns Energie.

Wir wussten, dass wir nicht trödeln durften: Wenn wir die Fähre am Ende der Schlucht, die nur einmal täglich (nachmittags) abfährt, nicht rechtzeitig erreichen würden, müssten wir in Agia Roumeli übernachten – was für uns unmöglich war, denn am nächsten Tag wartete schon unser Flug nach Hause. Deshalb gingen wir schnell, konzentriert, Schritt für Schritt.

An den vier Hauptpunkten hielten wir jeweils etwa 15 Minuten an – kurz genug, um keine Zeit zu verlieren, aber lang genug für das Nötigste: wir aßen schnell ein paar Kleinigkeiten, tranken Wasser, füllten unsere leeren  Flaschen an den Quellen wieder auf und nutzten die Toiletten, bevor wir weitergingen. Jeder Abschnitt war anders: mal schmal und mystisch, mal weit und hell mit atemberaubenden Ausblicken.

Nach nur dreieinhalb Stunden sahen wir das Licht am Ende der Schlucht – das Meer! Wir waren als Erste aus unserer Gruppe am Ausgang. Ein Gefühl von Stolz, Erleichterung und tiefer Freude erfüllte uns.

In Agia Roumeli setzten wir uns in eine kleine Taverne direkt am Wasser. Die Sonneglitzerte auf den Wellen, und wir bestellten kaltes Bier – das schmeckte nach purerErfrischung. Ich genoss eine köstliche Moussaka, meine eine Tochter wählte frischen Fisch, und die andere Gyros mit Tzatziki. Wir lachten, erzählten und spürten dieses einmalige Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.

Danach gingen wir an den Strand, zogen unsere Badekostüme an, die wir im Rucksack dabei hatten, und sprangen ins glasklare Wasser. Es war herrlich warm, das Meer ruhig, und wir schwammen lange, während die Sonne über uns funkelte. Ein perfekter Abschluss eines perfekten Tages – ein Moment, den wir nie vergessen werden.

Am nächsten Tag allerdings merkten wir, was wir geleistet hatten: Wir hatten den stärksten Muskelkater, den man sich vorstellen kann – und er hielt ganze drei Tage lang. Besonders lustig war der Moment, als wir am Flughafen über die Treppe ins Flugzeug einsteigen und wieder hinausgehen mussten – jeder einzelne Schritt tat weh, und wir konnten einfach nicht
aufhören zu lachen. Das Beste daran: sogar das Lachen tat weh!

Aber trotz allem – oder vielleicht gerade deswegen – wissen wir: Es hat sich absolut gelohnt! Und ich würde – oder besser gesagt, werde – diese Wanderung auf jeden Fall wiederholen wollen … vielleicht das nächste Mal einfach ohne so viel Zeitdruck.